EM 2016: Eine Frage der Taktik

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Vor dem EM-Halbfinale gegen Frankreich wird die deutsche Personaldecke immer dünner. Jogi Löw muss deshalb umstellen. Ein Youngster drängt sich dabei besonders auf.

Trotz des letztlich verdienten Sieges gegen Italien musste sich Joachim Löw deutliche Kritik gefallen lassen. Mit seiner Umstellung auf ein 3-5-2-System habe er sich zu sehr auf den Gegner eingestellt, statt diesem das eigene Spiel aufzuzwingen, bemängelte unter anderem ARD-Experte Mehmet Scholl. Vor dem Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich steht nun fest: Löw muss seine Mannschaft erneut verändern, diesmal notgedrungen. Zwar dürfte Deutschland wieder zum gewohnten 4-5-1 zurückkehren, personell stehen jedoch einige Wechsel an. Mit Mario Gómez fällt der bislang so wichtige und noch dazu einzige Mittelstürmer aus, dazu fehlen Sami Khedira und der gelbgesperrte Mats Hummels. Ein Einsatz von Bastian Schweinsteiger, der sich gegen Italien leicht am Knie verletzte, ist zumindest fraglich.

Gerade die Sorgen im zentralen Mittelfeld könnten zu einer riskanten, aber naheliegenden Maßnahme führen: Mit Julian Weigl steht ein 20-Jähriger vor seinem Nationalmannschaftsdebüt, und das im EM-Halbfinale. Der Shooting Star von Borussia Dortmund spielte in seiner ersten Bundesliga-Saison eine überragende Rolle im Mittelfeld des BVB. Mit seiner Ball- und Passsicherheit gilt er als eine der ersten Alternativen für die Position vor der Abwehr.

Französische Offensiv-Power

Die zweite große Baustelle dürfte die Innenverteidigung sein. Hier werden Shkodran Mustafi oder Benedikt Höwedes nachrücken, da der bislang so starke und sichere Mats Hummels wegen seiner zweiten gelben Karte fehlt. Besonders gegen die glänzend aufgelegte Offensive der Franzosen wiegt der Ausfall des Neu-Bayers schwer. Mit vier Treffern führt Atléticos Antoine Griezmann die Torschützenliste an, das Sturmtrio Payet, Griezmann und Giroud erzielte bereits zehn Tore, drei mehr als das gesamte deutsche Team zusammen. Zudem kann Coach Didier Deschamps auf seine komplette Mannschaft zurückgreifen, Sperren oder Verletzungen gibt es bei der Équipe Tricolore nicht zu beklagen.

Dennoch könnte die Defensive der DFB-Elf auch gegen den Gastgeber der entscheidende Trumpf sein. In fünf Spielen kassierte die Abwehr um den überragenden Jérôme Boateng nur ein Gegentor, und den nach einem Strafstoß. Dass sich die Offensiv-Power der Franzosen und die starke Verteidigung der Deutschen eventuell neutralisieren könnten, zeigen übrigens auch die Wettquoten für das Spiel: Einen klaren Favoriten gibt es im Halbfinale von Marseille nicht. Interwetten beispielsweise sieht Frankreich mit einer Quote von 2,9 minimal als Außenseiter. Bei NetBet hingegen liegen Les Bleus mit 2,75 leicht vor Deutschland (2,9). DFB-Teammanager Oliver Bierhoff legte sich auf der Pressekonferenz am Dienstag trotzdem fest, er sieht Frankreich im Vorteil: „Sie haben den Heimvorteil, sind zudem frisch, weil sie im Turnierverlauf nicht so oft an ihre Grenzen gehen mussten. Wir haben 120 Minuten gegen Italien in den Knochen.“

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