DFB Pokal Achtelfinale: kann Wolfsburg den Siegeslauf in Leipzig fortsetzen?

Die Begegnung des DFB-Pokal-Achtelfinales Rasenballsport Leipzig gegen den VFL Wolfsburg könnte ein echtes Highlight werden. Die Vorzeichen stehen jedenfalls äußerst gut, denn es treffen nicht nur zwei durchaus offensiv ausgerichtete Mannschaften aufeinander, sondern auch zwei Clubs, die ihre millionenschweren Investitionen in neue Spieler nur durch die finanzielle Unterstützung eines jeweils großen Sponsors tätigen können.

Von der deutschen Fußball-Fanszene als Retortenclub von Red Bull beziehungsweise als Werksmannschaft von Volkswagen verspottet, finden beide Mannschaften bei Traditionalisten des deutschen Fußballs eher weniger Anklang. Durch die attraktive Spielweise und ihren gnadenlosen Offensivdrang haben ebenfalls beide Mannschaften wieder einiges gut machen können.

Wolfsburger Siegesserie und Leipziger Aufstiegspläne

Vor mehr als drei Jahren trafen beide Mannschaften schon einmal aufeinander. Durch drei Tore von dem mittlerweile kaum mehr berücksichtigten Daniel Frahn gewann der damalige Regionalligist RB Leipzig in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg mit 3:2.

Seitdem hat sich bei beiden Mannschaften einiges getan. Wolfsburg, damals als Tabellenfünfzehnter in der Vorjahressaison 2010/2011 eingelaufen, ist heute ernstzunehmender Verfolger der übermächtigen Bayern.

RufzeichenMit elf ungeschlagenen Partien hat der VFL jüngst seine Rekordserie aus der Meistersaison 2008/2009 überboten! Mit Trainer Dieter Hecking und einer namenhafte und vor allem funktionierenden Offensive um Kevin De Bruyne, André Schürrle und Bas Dost scheint der VFL Wolfsburg sich auf den Champions League-Plätzen und als ernstzunehmender Bayern Konkurrent wohlzufühlen, nachdem man so fulminant in die Rückrunde gestartet ist.

4:1 gegen die Bayern, 5:4 gegen Leverkusen, 5:3 am letzten Wochenende gegen Werder Bremen. Tore fallen wie am Fließband. Torjäger Bas Dost ist auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Kariere und bekommt maßgebliche Unterstützung des prominenten Mittelfeldes. Allerdings kommt die Defensive der Wolfsburger dem offensiven Tatendrang oft nicht hinterher, sodass der VFL in der Rückrunde zwar schon zwanzig Treffer erzielt hat, aber auch schon zehn Gegentore hinnehmen musste. Wie die Wolfsburger Balance gegen den Zweitliga-Achten RB Leipzig aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Die DFB Pokal Quoten im Vergleich der Wettanbieter
Bild oben: die Quoten zum DFB-Pokal Achtelfinale zwischen RB Leipzig und VFL Wolfsburg im Vergleich der Wettanbieter.

RB Leipzig hingegen konnte nach einer Sieglos-Serie von fünf Spielen am vergangenen Wochenende endlich wieder jubeln. Mit 3:2 wurde gegen Union Berlin gewonnen und der Sinkflug in der Tabelle vorerst gestoppt. Nach einem sensationellen Auftakt in der Anfangsphase der Saison konnte RB Leipzig den Ambitionen als Aufstiegsaspirant nicht immer ganz gerecht werden, sodass die Pläne zum Durchmarsch in die Bundesliga vorerst ad acta gelegt wurden. Der Abstand auf den drittplatzierten 1. FC Kaiserslautern beträgt nunmehr acht Punkte, weshalb der Pokalwettbewerb nun erst recht als große Bühne genutzt werden kann.

Dennoch spielt die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer und Sportdirektor Ralf Rangnick einen ansehnlichen Fußball und sollte von den Wolfsburgern nicht unterschätzt werden. Während der erst zwanzigjährige Torjäger Yussuf Poulsen beim letzten Spiel gegen Union noch gelb-rot-gesperrt war, darf er gegen Wolfsburg wieder mitwirken. Acht Tore hat er in der laufenden Saison bereits erzielt, daneben spielen mit Ante Rebic, Joshua Kimmich und den Winter-Neuzugängen Omer Damari und Emil Forsberg weitere talentierte Jungspunde.

Duell zweier Transfermarkt-Riesen

Mit dem diesjährigen Rekord-Wintertransfer von Weltmeister André Schürrle, der für rund 32 Millionen Euro vom FC Chelsea kam, hat der VFL Wolfsburg ein finanzielles Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt gesetzt, das nicht überall auf Bewunderung stieß. Immer wieder beschweren sich Trainer oder Funktionäre von finanziell weniger gut aufgestellten Vereinen über die zügellose Transferpolitik der Sponsorenvereine. Nach Bayern München und Borussia Dortmund gab der VFL Wolfsburg in dieser Saison mit 43.75 Millionen Euro am meisten Geld für neue Spieler aus, allerdings ohne nennenswerte Transfererlöse oder Einnahmen durch Europa League- oder Champions League-Spiele. Eine Differenz von 38 Millionen Euro spiegelt die finanzielle Lage der Wolfsburger deutlich wieder.

Im gleichen Atemzug wird in der Regel auch RB Leipzig genannt. Ebenfalls mit einem finanziell potenten Sponsor im Hintergrund, wurden Rasenballsportler auf dem Transfermarkt sehr aktiv. Insgesamt 22,65 Millionen Euro wurden auf dem Markt ausgegeben, dabei aber nichts an Spielerverkäufen eingenommen. Für die Zweite Bundesliga eine enorme Differenz in den Transfertätigkeiten, die nicht wenige mit argwöhnischen Kommentaren beurteilen.

Geld schießt keine Tore…

…heißt es. Dass dem nicht unbedingt so ist, hat bereits die hochkarätig besetzte Wolfsburger Offensive in den letzten Spielen bewiesen. Die Leipziger allerdings haben zumindest in der Liga bisher eher Gefallen am Verhindern von Toren gefunden. Erst 18 Gegentreffer mussten sie hinnehmen, nach dem SV Darmstadt (16 Gegentore) der beste Wert der Liga. Ob die Leipziger Verteidigung auch den Angriffen der Wolfsburger standhalten können, wird sich zeigen. Immerhin sind die Wolfsburger nach der eher peinlichen Niederlage vor drei Jahren auf eine Wiedergutmachung aus. Allerdings standen damals auf Wolfsburger Seite nur Diego Benaglio und Christian Träsch aus dem aktuellen Kader auf dem Platz, während bei den Leipzigern immerhin noch Tim Sebastian, Sebastian Heidinger, Henrik Ernst, Benjamin Bellot und eben der damalige Dreifachtorschütze Daniel Frahn beschäftigt sind.