TV-Vertrag: Bundesliga-Klubs befürchten Verlust der Konkurrenzfähigkeit

Der bahnbrechende TV-Vertrag in Höhe von rd. 9,5 Mrd. Euro, den die englische Premier League diese Woche abgeschlossen hat, sorgt bei den deutschen Fußball-Managern für Sorgenfalten. Viele Erstligisten sehen die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga in Gefahr. Vieler Orts wird nun auch eine Neu-Strukturierung des TV-Vertrags in Deutschland gefordert.

Die englische Premier League ist mit ihrem neu abgeschlossenen TV-Vertrag in ganz neue, rekordverdächtige Sphären aufgestiegen. Die Premier League hat einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren abgeschlossen, der ihr insgesamt 9,5 Mrd. Euro durch die Vermarktung der TV-Recht einbringen soll. Das sind pro Saison knapp 3,2 Mrd. Euro. Um (besser) zu verstehen um wie viel Geld es sich hierbei handelt: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) plant für die kommenden Saison 2016/17 mit Einnahmen in Höhe von 835 Mio. Euro aus der TV-Vermarktung, dass sind fast 400 Prozent weniger.

Während bei den englischen Klubs und der Liga die Sektkorken knallen, sehen viele Fußball-Manager in Deutschland die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga gefährdet. VfL Wolfsburg-Sportvorstand Klaus Allofs äußerte sich wie folgt zu dem TV-Vertrag in England und dessen Konsequenzen: „Wenn sich bei uns nichts tut, und in England tut sich etwas, dann bedeutet das, dass die Konkurrenzfähigkeit darunter leidet. „Rein wirtschaftlich betrachtet ist das ein klares Signal, dass die Premier League ihre Vormachtstellung in diesem Bereich weiter ausbaut“.

Auch TSG 1899-Hoffenheim Trainer Markus Gisdol sieht eine gewisse Gefahr in der aktuellen Entwicklung: „Das ist natürlich extrem. Da müssen wir schon aufpassen, dass da nichts verrutscht. Da muss man aufpassen, dass uns nicht die absoluten Topstars, die das Salz in der Suppe ausmachen, diesen Verlockungen erliegen. Das ist schon ein bedenklicher Schritt. Ich hoffe, dass wir in der Bundesliga bei der Vermarktung nachziehen, damit es keine schlechte Verteilung gibt“,

DFL-Chef Christian Seifert fordert bereits seit geraumer Zeit eine Diskussion über „unpopuläre Maßnahmen“, damit ist vor allem Umverteilungen der Spielansetzungen gemeint. Während in England, Spanien und Italien der Spieltag über 3-4 Tage verteilt wird und dies dazu noch auf unterschiedliche Anstoßzeiten, lassen sich die Spiele für die TV-Sender vermarkten. Hinzukommt in Deutschland die Tatsache, dass das öffentliche Rechtliche TV, in Form der ARD mit ihrer Sportschau, nach wie vor großen Einfluss auf die Anstoßzeiten nimmt. Auch Allofs wünscht sich eine Veränderung bei Thema der Asntoßzeiten: „Es darf kein Tabuthema geben. Bisher haben wir den Spagat hinbekommen, Wünsche zu erfüllen, aber den Spieltag kompakt zu gestalten. Aber auch da muss es Kompromisse geben“.

Während die Liga und viele Vereine alarmiert sind, gibt es aber auch zurückhaltende Äußerungen. Werder Bremens-Geschäftsführer Thomas Eichin ruft z.B. zur Mäßigung auf: „Wir haben in der Bundesliga eine sehr gute Position, die Liga boomt. Da müssen wir schon aufpassen, dass wir nicht überzocken“.

Fakt ist, Transfers in der Kategorie von Andre Schürrle oder Mario, d.h. jene über 30 Mio. Euro, sind derzeit nur für den FC Bayern München und Vereine wie den VfL Wolfsburg möglich, die über ein entsprechendes Eigenkapital verfügen bzw. über potente Sponsoren. Die Bundesliga hinkt nicht nur der Premier League nach, auch Spanien und Italien liegen in Sachen TV-Vermarktung noch vor Deutschland.

Foto: Steindy / Wikipedia